Folgen von Getrenntleben und Scheidung

Auf die Trennung eines Paares folgt zumeist die Scheidung der Ehe. Allerdings sieht der Gesetzgeber vor, dass zwischen Trennung und Scheidungsantrag bei Gericht ein Jahr, das sogenannte Trennungsjahr, abgelaufen sein muss. Grund hierfür ist, dass die Ehegatten nicht vorschnell die Ehe aufgeben, vielmehr sollen sie ausreichend Zeit haben, sich den letzten Schritt bis zur Scheidung gut zu überlegen.

Sowohl die Trennung als auch die Scheidung führen zu weitreichenden Konsequenzen bei beiden Eheleuten. Häufig aufkommende Themen werden hier besprochen.

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3. Ist eine außergerichtliche Einigung sinnvoll?

Grundsätzlich ist eine einvernehmliche Einigung zwischen den Parteien zu begrüßen und kann viel Zeit und Ärger sparen. Aber Vorsicht:

Häufig ist zu hören, dass man viel Geld sparen kann, wenn man sich schnell über alles einig ist und außergerichtlich regelt. Dies stimmt zum Großteil auch. Tatsächlich ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung, in der sämtliche relevanten Punkte der Trennung und Scheidung vertraglich festgelegt und notariell beurkundet werden, zumeist sehr sinnvoll, da dadurch eine Menge Streit vermieden und so die Nerven geschont werden können.

Allerdings sollte eine solche Vereinbarung niemals ohne anwaltliche Beratung durchgeführt werden. Der Notar wäre zwar auch verpflichtet, die Vertragsparteien über die einzelnen Vertragspunkte aufzuklären. Zumeist aber beschränkt sich dieser auf die Beurkundung. Außerdem darf ein Notar nicht eine der Vertragsparteien beraten sondern hat vielmehr neutral zu bleiben. Daher ist die Beratung eines Anwalts, der die Scheidungsfolgenvereinbarung entwirft bzw. prüft und vor den Risiken warnt, unverzichtbar.

Eine deutliche Warnung ist an dieser Stelle davor auszusprechen, sich nur einen Anwalt zu nehmen. Immer wieder ist zu hören, dass man nur einen Anwalt braucht, den beide Eheleute gemeinsam nehmen. Dadurch könne viel Geld gespart werden. Das ist falsch! Beide Eheleute können gar nicht einen gemeinsamen Anwalt nehmen, da dies vom Gesetz untersagt ist. Ein Anwalt ist ein Interessenvertreter und kann daher naturgemäß nicht zwei gegensätzliche, sich widersprechende Interessen gleichzeitig vertreten.

Zwar ist es für eine Scheidung theoretisch ausreichend, dass die den Scheidungsantrag stellende Partei anwaltlich vertreten ist, der andere Ehegatte bräuchte nicht zwingend einen eigenen Anwalt. Tatsächlich aber ist es zweckmäßig, dass auch der andere Ehegatte einen eigenen Anwalt besitzt. Denn zum einen könnte er ohne einen Anwalt keine eigenen Anträge stellen. Zum anderen hätte er niemanden, der sich um seine Belange kümmert. Wie bereits erklärt, wird jeder Anwalt nur für den Ehegatten tätig, der ihn beauftragt hat. Der andere Ehegatte bliebe ohne eigenen Anwalt auch ohne eigene rechtliche Beratung. Folge dieses Beratungsdefizits wäre ein deutliches Chancenminus gegenüber dem anderen Ehegatten, das sich zum Beispiel in erhöhte Unterhaltszahlungen oder in Ungerechtigkeiten im Zugewinnausgleich zeigen würde. Deshalb lautet die Regel:

Immer selbst einen eigenen Anwalt beauftragen, denn nur dieser setzt sich für die eigenen Interessen ein. Bevor man eine Scheidungsfolgenvereinbarung mit der Gegenseite schließt erkundigt man sich bei einem Anwalt und lässt den Vertrag von ihm prüfen. Dann ist man für das noch ausstehende Scheidungsverfahren bestens gerüstet. Mit einem Anwalt ist eine Scheidung nur dann durchzuführen, wenn sämtliche Ansprüche einvernehmlich geregelt worden sind.